Gerhard Trittenwein persönlich
Die Freiheit zu entscheiden
Es blieb mir eigentlich keine andere Wahl. Seit ich denken kann, hatte ich Probleme mit Autoritäten und war nie glücklich in hierarchischen Systemen. Ich wollte schon als Kind immer alles selbst bestimmen. Etwas zu entscheiden, zu sehen, ob die Entscheidung sich als richtig oder falsch herausstellt, die Folgen zu tragen und die Früchte zu ernten, sind die wichtigsten Gründe für mich, zu arbeiten. Ein gutes Beispiel für eine solche Entscheidung war die Gründung unseres Unternehmens. Die Zeit, als die erste Interneteuphorie einem allgemeinem Katzenjammer wich und alles gemieden wurde, was nach „New Economy“ aussah, war nach objektiven Gesichtspunkten die schlechteste, um eine Internet Company zu gründen. Ich hatte mich aber dazu entschlossen, mir eine Krawatte umgebunden und versucht, so „Old Economy“ wie möglich auszusehen. Dass es geklappt hat, ist nur zum Teil mein Verdienst.
Ich hatte zum Ersten das große Glück immer Menschen zu treffen, die bereit waren, ihr Können und ihre Energie für dieselbe Sache einzusetzen. Menschen, die wie ich damit leben müssen, dass die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit ein sehr flüchtiges, kurzes Glück ist, die immer nur das Bessere vor Augen haben, die nächste Aufgabe, das Wissen, das noch fehlt. Ganz besondere Menschen. Mit einigen davon bin ich verwandt, anderen bin ich begegnet, und manche wurden von denen geholt, die schon dabei waren. Zum Zweiten ist es mir gelungen, Kunden zu finden, die verstehen, was wir tun und warum wir es tun. Kunden, die bereit sind, uns in den wichtigen Punkten Gestaltung und Strategie freie Hand zu lassen. Die Freiheit zu entscheiden. Das ist manchmal schwer und in einigen Momenten fast unmöglich. Im Gegenzug streben wir immer danach, dieses große Vertrauen zu rechtfertigen. Es ist gar nicht möglich, mehr Druck auf uns auszuüben, das Bestmögliche zu liefern, als wir es selbst tun. Unsere Projekte, das Ergebnis unsererer Arbeit, sind für mich der Beweis, dass unser Weg der richtige ist. Unternehmer zu sein, ist für mich in mehrfacher Sicht eine echte Leidenschaft. Meine Liebe gehört hingegen nicht der Firma. Und das ist gut so.