Thomas Anton Binder persönlich
Unsichtbares sehen
Über Gestaltung und deren Entstehungsprozess zu schreiben, ist keine ganz einfache Aufgabe. Ist doch Gestaltung eine sehr subjektive Handlung, unterstützt von mehr oder weniger rationalen Grundlagen. Im Speziellen spielt natürlich immer der Kontext eine große Rolle. Aber egal ob sehr businessorientiert oder eher künstlerisch motiviert, für mich geht es vorwiegend darum, Dinge zu sehen, die für andere im Verborgenen bleiben. Wahrscheinlich wird jeder Designer in seinem Tun von Trends und aktuellen Strömungen beeinflusst, viele vielleicht mehr, als ihnen lieb ist, jedoch sollten bei allen Moden immer auch die persönliche Handschrift, der eigene Charakter erhalten bleiben. Auch um im Laufe der Zeit einen Gesamteindruck zu schaffen und damit schon von vornherein die Kompatibilität zum Kunden ausloten zu können, aber vor allem, um sich selber treu bleiben zu können und damit auch immer wieder Motivation zu finden. Deshalb sind Projekte, deren budgetärer Rahmen einen Diskurs mit der Thematik zulassen, sehr willkommen, andererseits sind viele Aufgaben nur der Sache selbst wegen eine große Herausforderung, unabhängig von finanziellen Rahmenbedingungen. In meiner Brust des Designers und Geschäftsführers schlagen fast zwangsläufig zwei Herzen, am Ende bleibt aber meist die Erkenntnis, dass ein Gestaltungsprozess nicht von einer Stechuhr beendet werden kann sondern nur von der eigenen Zufriedenheit.
Die Wege zum Ziel sind stets mannigfaltig, für mich haben sie alle mit Beobachtung zu tun. Und dieses genaue Beobachten reduziert sich nicht auf das Thema Grafik- oder Webdesign, sondern geht viel weiter, erstreckt sich irgendwann auf sämtliche Lebensbereiche, ja findet sogar permanent statt. Es spielt Natur genauso eine Rolle wie Naturwissenschaften, Theateraufführungen genauso wie Straßenbahnfahrten, und ein Museumsbesuch genauso wie ein Verwandtenbesuch. Diese unvorstellbare Menge an Eindrücken und Einflüssen führt zu einer schier unendlichen Anzahl an Möglichkeiten und damit zu echter Kreativität. Kurz gesagt: Es geht schlichtweg immer nur um die Fähigkeit, aus scheinbar trivialen Situationen wesentliche Erkenntnisse zu gewinnen. Mein eigener Anspruch an diese Fähigkeit ist noch lange nicht erfüllt, jedoch arbeite ich täglich an ihr. Hervorragende Gestalter sind für mich immer auch exzellente Beobachter, die ihre Wahrnehmungen interpretieren und anwenden können, egal welche Aufgabenstellung auch wartet.
Für mich persönlich rundet sich das Bild durch den völlig rationalen technischen Rahmen, in dem ich mich bewegen muss, zu einem unglaublich interessanten Tätigkeitsfeld ab, das sich täglich neu präsentiert und täglich neue Herausforderungen bietet. Meine Arbeit ist tatsächlich eine meiner ganz großen Leidenschaften, hin und wieder könnte man fast von Liebe sprechen.